An den Quellen Europas

An den Quellen Europas

Hier kommt eine Liebeserklärung. Ich liebe Klöster. Diese Woche lebe ich in der Zisterzienserabtei Heiligenkreuz im Wienerwald. Jeden morgen beginnt das lateinische Morgengebet um 5:15 Uhr, insgesamt beten die knapp 100 Mönche täglich an die vier Stunden pro Tag. Und zwar tun sie das seit dem Jahr 1133 ohne Unterbrechung. Also knapp 900 Jahre. Das Gebetshaus gibt es seit 10 Jahren. So mal als Vergleich 😉 Seit ich Kind bin, habe ich in Klöstern so viel Tiefes gesehen, sowohl in katholischen als auch in orthodoxen. Die Stetigkeit eines Lebens in geregelten Formen. Die Feierlichkeit einer Liturgie, die nicht für Zuschauer „gemacht“ wird. Die Treue und der Gehorsam, die den Eigenwillen konfrontieren. Die Güte und Demut, die ein solcher Lebensstil über Jahrzehnte hinweg in das Herz und die Gesichtsfurchen alter Heiliger gegraben hat. Der Choral. Das Schweigen beim gemeinsam eingenommenen Mahl. Das schlichte, nahrhafte Essen und dazu der Wein. Die Pracht der Gebäude, die im Gegensatz steht zur Besitzlosigkeit des einzelnen Mönches. Der Lebensstil des Wachens und Betens, der Lebensstil der Ehelosigkeit um Christi willen, des wahren Bräutigams. Hier in Heiligenkreuz entstand noch zu Lebzeiten Bernhards von Clairvaux dieses Kloster. Eben jenes Bernhards, der im Namen Jesu unglaubliche Heilung und Wunder tat (tatsächlich so viele, das er eigene Schreiber dabei hatte, die bei seinen Volksmissionen Buch führten darüber, wie viele Taube, Blinde oder Lahme geheilt wurden!). Jenes Bernhards aber in erster Linie, der in seinen Predigten zum Hohenlied die ergreifendsten Liebeshymnen an den Bräutigam seiner Seele richtete. Welch großes Geschenk die Klöster sind. Es gab sie schon über 1000 Jahre bevor das entstand, was man heute „Europa“ nennt. Hier sind die Quellen. Ich bin dankbar, diese Woche mit hineingenommen zu werden in eine Geschichte, die viel größer ist als Du und ich, weil sie lange vor uns begann. Und ich möchte wetten: auch noch lange nach uns bestehen wird.