Indische Gedanken

Indische Gedanken

Indische Gedanken 1: Einleitung
Mit tief bewegtem Herzen bin ich aus Indien wieder gekommen und möchte Euch in den nächsten Tagen ein bisschen erzählen. Zum äußeren Umstand meiner Reise: ich habe ganz unterschiedliche Regionen Indiens bereist. Der ursprüngliche Plan war, dass ich auf zwei großen Pastorenkonferenzen sprechen sollte. Eine davon musste aus Sicherheitsgründen abgesagt werden, statt dessen habe ich in einer anderen großen Stadt in kleineren Slum-Gemeinden gesprochen. Wir waren bei kleinen Haustreffen von Christen auf Dörfern und ich hab vor Tausenden von Menschen gesprochen. Dabei habe ich ausschließlich unter evangelikalen Christen gedient, die allesamt Hindus erreichen. In praktisch jeder Veranstaltung waren auch Hindus.
Die Schönheit dieses Landes, doch auch das Elend und die geistliche Dunkelheit haben mich tief betroffen gemacht. Doch mehr als das hat mich die Leidenschaft des Christen und die starke Gegenwart Gottes auch inmitten von Verfolgung ergriffen. Diese erste Serie von Bildern nenne ich „Faces of India“, sie zeigt Menschen in ganz normalen Situationen. Und wer Augen hat zu sehen, der kann in den Gesichtern auch manches lesen. Morgen geht’s weiter!

Indische Gedanken 2: Verfolgung
Seht Ihr die nett lächelnden Mädchen auf dem ersten Bild? Es sind Mädchen eines christlichen Waisenhauses. Dieses Waisenhaus wurde vor zwei Monaten von den Behörden beschlagnahmt und die knapp 100 Mädchen werden seither in diesem Haus gewaltsam festgehalten. In einer nicht ganz ungefährlichen Aktion sind wir zu diesem Haus gegangen, haben fotografiert und den Mädchen Trost zugesprochen. Das war aber nicht nötig, alle beteuerten, dass sie bereit seien, für Jesus sogar zu sterben und dass nichts sie daran hindern könne, Missionare zu werden, wenn sie wieder rauskommen. Diese Mädchen hätten allesamt als Babys getötet werden sollen und wurden von Christen gerettet und aufgezogen. Das ist manchen nun ein Dorn im Auge…
In Indien werden Christen weniger stark verfolgt als in den muslimischen Ländern, dennoch wird das Klima rauer. Dafür verantwortlich ist zum einen die rasante Ausbreitung des Evangeliums, die manchen Leuten Angst macht, andererseits die aktuelle politische Situation. Die indische Regierung selbst gibt sich als tolerant, die Verfolgung selbst besteht darin, dass bei Übergriffen gegen Christen nicht die Täter selbst, sondern die Opfer verfolgt oder in Haft genommen werden. Solche Übergriffe sind an der Tagesordnung. Während wir selbst dort waren, wurde in der näheren Umgebung ein Gebetstreffen überfallen, die Christen verprügelt und dann nackt (!) durch die Straßen paradiert. Die Situation ist nach Bundesstaat sehr verschieden (im Süden ist es etwas sicherer), doch als Faustregel gilt: sobald Christen missionieren, also anderen von Jesus erzählen, bekommen sie Widerstand. Der Widerstand sieht dann so aus, dass das Kind eines Pastors eines Tages mit einer großen Schnittwunde im Gesicht nach Hause kommt oder seine Ehefrau von einem Mob vergewaltigt wird. Jeweils mit der schriftlichen Botschaft an den Pastor: wenn Ihr nächste Woche noch da seid, wird es noch schlimmer.
Für mich persönlich war es die erste unmittelbare Erfahrung mit Verfolgung. Gesagt zu bekommen, dass ich nichts auf Facebook posten darf, weil auch meine eigene Reise von der Geheimpolizei überwacht würde, war schon neu. Dann die Warnung, dass Spitzel in der Veranstaltung seien. Es hatte etwas bedrückend „reales“…: während ich zu Pastoren über Freiheit von Menschenfurcht spreche, filmt die Geheimpolizei vor der Tür alle, die in die Veranstaltung gehen. Nirgends durfte mein Name genannt werden und ich keine Auskunft geben, woher genau ich kam.
Ich dachte mir so: bei uns ist das Schlimmste, was einem als Christ passieren kann, gemobbt oder medial geächtet zu werden. Und ich spreche zu Pastoren, die buchstäblich die Sicherheit ihrer Familie und ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen? Ich fühlte mich so beschämt und geehrt, am liebsten hätte ich diesen Hunderten von Männern Gottes einfach nur die Füße gewaschen. Statt dessen haben sie mich mit Ehre überschüttet…
Die Verfolgung geht nicht ohne Spuren an ihnen vorbei. Es gibt keine Superhelden. Es ging Angst durch die Konferenz, als bekannt wurde, dass die Geheimpolizei vor Ort war. Sie arbeiten wie die Stasi und sind berühmt für ihre Erfahrung im Foltern. Dennoch war das Licht einmal wieder mächtiger. Die Gegenwart Gottes war stark, die Angst verging und – die ganze Familie des Bruders eines der höchsten Agenten der Geheimpolizei nahm im Geheimen an einem Gottesdienst teil, wo ich sprach und war offensichtlich sehr berührt. Seine ganze Großfamilie gehört zu einer radikal hinduistischen Gruppierung.
Und so breitet sich das Evangelium weiter aus. Und ja, auch ich war erleichtert, als ich unbehelligt ausreisen durfte, auch das ist nicht selbstverständlich.
Die Braut Christi ist am Schönsten, wenn sich ihre Liebe im Leiden und in der Verfolgung als echt bewährt. Nichts an der Verfolgung ist romantisch oder erstrebenswert. Doch die besagte Schönheit hinterließ meine Augen geblendet.

Indische Gedanken 3: Licht und Dunkel
Indien ist ein armes Land. Oder richtiger: in Indien gibt es viele arme Menschen. Es gibt aber auch extrem reiche. Schuld daran ist die Globalisierung, der Westen oder einfach die Ungerechtigkeit an sich? Hm… In einer Motorrad-Rikscha fahren wir durch eine versmogte Großstadt. Wozu Ampeln, wenn es auch Hupen gibt? Überall am Straßenrand sitzen, schlafen und wohnen Menschen im Dreck. Ich sehe Leprakranke auf der Straße sitzen. Kinder Wasser schöpfen aus dreckigen Rinnsalen. Wäre es wirklich so schwer, Strukturen zu schaffen, die solche Zustände überwinden? Lydia (Name geändert) kennt Indien seit Jahren wie ihre Westentasche. Was eigentlich das Haupthindernis sei, das Elend in Indien zu beseitigen, frage ich. „Das Kastenwesen“, antwortet Lydia wie aus der Pistole geschossen. Was? Ein jahrhundertealtes Unterdrückungssystem, das genau definiert, wem Bürgerrechte zukommen und wer wie Dreck behandelt werden darf. Und wie Dreck behandelt werden zudem grundsätzlich Frauen. In etlichen Regionen Indiens werden bis zu 80% aller weiblichen Babys nach der Geburt getötet. Denn eine Frau verursacht nur Kosten. Frauen dürfen geschlagen werden. Frauen ohne Ehemann sind Abschaum. Frauen sind die Diener des Mannes und so weiter. Doch weshalb gibt es diese Unrechtssysteme und warum halten sie sich auch heute noch?
Einfache Antwort: sie sind vom Hinduismus untrennbar. Es gibt spirituelle Wurzeln, nicht nur ökonomische. Selbst Mahatma Gandhi wagte nicht, gegen das Kastenwesen vorzugehen, weil er nicht mit dem Hinduismus brechen wollte. Ich habe den Eindruck, dass wir im Westen eine verklärte Sicht auf den Hinduismus (und auf andere nichtchristliche Religionen ebenso) haben. Wir glauben grundsätzlich, dass es immer wirtschaftliche Probleme seien, die die Armut und die Ungerechtigkeit in der Welt bedingen. Doch mir scheint: wir übersehen die geistlichen darin und dahinter. Für die Christen dort stellt sich die Frage überhaupt nicht, wie den „Dialog mit dem Hinduismus“ aussehen sollte oder ob es vielleicht verschiedene Wege zur Wahrheit gibt. Der real existierende Hinduismus ist eine Religion, die den gesellschaftlichen Stillstand und das strukturelle Unrecht zementiert. Zugleich spendet sie Menschen niemals Heilsgewissheit, sondern konfrontiert ihn zu jeder Zeit mit der drohenden Vorstellung negativen Karmas, von dem man niemals wissen kann, wie man gerade steht. Aus der verzweifelten Suche nach Heil heraus öffnen viele Menschen sich für höchst zweifelhafte spirituelle Praktiken und machen ganz direkt dämonische Erfahrungen. Mehr dazu in meinem nächsten Post, doch für Inder ist die Präsenz der übernatürlichen Welt eine völlig offenkundige Realität. Praktisch jeder hat schon Erfahrungen mit Geistern, Zauberei oder übernatürlichen Phänomenen gemacht. Doch im Hinduismus ist nirgends der Frieden und die Vergebung zu finden. Deshalb kommen Hindus in großen Scharen zum Glauben an Jesus. Sind sie Christen geworden, ist ihnen in der Regel bald klar, dass sie völlig klar mit ihrer religiösen Vergangenheit brechen müssen.
Erstaunlich ist, dass der Hinduismus selbst kein Problem damit hat, wenn einer Jesus anbetet. Er hat auch kein Problem mit einem Christentum, das sich als ein Weg unter vielen versteht. Denn exakt das lehrt ja der Hinduismus: es gibt Millionen von Göttern und Millionen von Wegen, die gleichberechtigt nebeneinander stehen. Genau das ist die Lüge und genau darin gleicht die Postmoderne diesem uralten religiösen System. Es führen eben nicht alle Wege zum Heil! Jesus sagt von sich selbst, dass niemand (!) zum Vater kommt als nur durch ihn (Joh 14,6). Und nochmal unabhängig davon, wie das aus der Perspektive der Ewigkeit aussieht: die Früchte sind nicht die gleichen. Ganz real führt der Hinduismus nicht zum Heil, weder zum Heil im Leben einer Familie und einer Person, noch zum Heil einer Gesellschaft. Er zementiert das Unrecht. Das exakt Gleiche trifft auf die anderen Religionen zu. Und ich komme aus Indien zurück mit Unverständnis für die Rhetorik der Harmlosigkeit, die wir Christen uns angewöhnt haben. Jeder spricht vom interreligiösen Dialog und von der Toleranz, doch kaum ein Christ wagt es, das absolut Unverhandelbare auszusprechen: Jesus ist der einzige Weg. Alle Menschen verdienen Respekt und Hochachtung. Und in Zeiten der immer größeren Zersplitterung unserer Gesellschaft brauchen wie Dialog, Offenheit, Toleranz und viel viel Liebe. Doch Liebe bedeutet eben nicht und hat noch niemals bedeutet, keinen eigenen Standpunkt zu haben. Lieben die indischen Christen ihre hinduistischen Nachbarn? Selbstverständlich. Und genau deshalb erzählen sie ihnen von Jesus und genau deshalb wünschen sie ihnen nichts sehnlicher als Befreiung aus dem Dienst an den Götzen.
Mich befremdet die Zögerlichkeit, mit der wir hier in Deutschland über Mission sprechen. „Missionierung“, das klingt ja fast wie Kreuzzug. Jedem, der so denkt, empfehle ich eine intensive Reise in ein Land, in dem es kaum Christen gibt. Er möge nachforschen, wie es in diesem Land um die Gerechtigkeit der Gerichte, um die Freiheit der Presse, um die Stellung der Frau, um Vergebung, um dienende Leiter, um das Mitleid mit den Armen und Behinderten, um die Gleichheit der Person und die Meinungsfreiheit bestellt ist. Er wird entdecken, dass all die Werte, die hier bei uns als „westliche Werte“ oder gar „Werte der Aufklärung“ gefeiert werden, letztendlich christliche Werte sind und dort fehlen oder sich nicht dauerhaft durchsetzen, wo es keine Christen gibt! Tatsächlich habe ich in Indien auch begonnen, die Geschichte der Kolonialisierung noch einmal neu zu überdenken. Mir scheint, dass auch hier eine ausschließlich und einseitig negative Bewertung der Standard geworden ist. Und selbstverständlich: im Zuge der Kolonialisierung wurden Länder wirtschaftlich ausgebeutet, kulturimperialistisch vereinnahmt und entmündigt. Nichts davon soll beschönigt werden. Mit der Kolonialisierung jedoch kamen auch Missionare und christliche Werte ins Land. In Indien wurde nicht nur fast die gesamte Infrastruktur von den Briten gebaut (über weite Strecken hinweg besteht sie bis jetzt), sondern christliche Missionare waren auch die ersten, die Waisenhäuser, Krankenhäuser und Heime für Behinderte bauten. Tatsächlich geht eine große Zahl der höheren Schulen und beinahe jede Universität in Indien auf eine christliche Gründung zurück. Wer die Schandtaten der „East India Company“ betont, möge doch bitte all das Andere auch nicht vergessen. Da meine Sicht der Dinge als Westler sicherlich einseitig ist und ich das Thema auch nicht ausführlich genug studiert habe, verweise ich auf ein Buch, das ich letztes Jahr gelesen und dessen Ergebnisse ich in Indien überzeugend demonstriert fand. „Das Buch der Mitte“ von Vishal Mangalwadi, einem indischen Philosophen, der im interkulturellen Vergleich zwischen seiner Heimat und dem Westen zu dem Schluss kommt, dass westlich-freiheitliche Werte dem biblischen Gedankengut entstammen und dort fehlen, wo dieses Gedankengut fehlt. Und bevor jemand vorschnell behauptet, es sei doch die Aufklärung gewesen, die gegen den Widerstand der Kirche freiheitliche Werte durchgesetzt habe, der möge sich zum einen die Frage stellen, weshalb die freiheitlichen Gedanken der Aufklärung nur in christlichen Ländern gedeihen und sich durchsetzen konnten und welches Vernunftsmodell und Menschenbild die Aufklärung voraussetzen: beide sind Früchte der christlich-jüdischen Rezeption der Antike. (Wen meine Argumente hier nicht überzeugen, dem sei das Buch von Mangalwadi empfohlen für den Fall, dass er kritische Hinterfragung seiner Vorurteile nicht scheut.)
Tief bewegt haben mich die Zeugnisse der vielen Menschen, die zu Jesus gefunden haben. Sie erzählten, wie sie von dämonischen Ketten frei wurden und in Jesus Licht und Frieden fanden: all das, was die Verehrung der über 3 Millionen hinduistischen Götter ihnen nicht geben konnte. Tief bewegt hat mich die aufopferungsvolle Liebe der Missionare, die nach Indien gehen und dort unter einfachsten Verhältnissen leben, damit Menschen Jesus finden. Und ich komme aus Indien zurück mit einer brennenden Sehnsucht, dass die ganze Welt IHN erkennt. Er ist der einzige Weg und ich werde nicht müde, diese unpopuläre Wahrheit zu wiederholen!
Es genügt nicht, ein guter Mensch zu sein! In Indien leben unendlich viele Menschen, die etwa genauso gut sind, wie andere Menschen auch und die es gut meinen. Doch die Menschheit ist verstrickt in Strukturen der Lüge und des Unrechts. In Indien ist es dieses System, bei uns eben ein anderes, doch keineswegs besser. Nur eine authentische Bekehrung zu Jesus verändert das Herz des Menschen ganz und nachhaltig. Nur wer eine solche nie erlebt hat, wird das bestreiten und davon sprechen, dass es doch viele Wege gebe. Wer sie jedoch erlebt hat und dann sieht, wie die Welt ohne ihn aussieht, dessen Herz bricht vor Sehnsucht, dass sein Evangelium erkannt werde und weint Tränen der Freude, mit dem großen Schatz beschenkt worden zu sein. Ich sehne mich danach, dass er alle reich mache: in Indien. Und hier in Europa. Denn es hat nichts von seiner Kraft verloren.

Indische Gedanken 4: Zeichen und Wunder

Die für mich überwältigendste Erfahrung in Indien war es, die Christen dort zu erleben. Über Felder und Flüsse und kleine Ortschaften tuckern wir bis in einen kleinen Dorfflecken, wo Christen sich zu einem Fasten- und Gebetstreffen versammelt haben. Ein armseliges Häuschen, gesteckt voll mit Menschen, auch vor dem Haus noch etliche. Es ist ein Gebetstreffen wie es in Indien Zehntausende gibt. Hier zum Beispiel gibt es noch keine Gemeinde, sondern nur einen Vorläufer davon. Bevor irgendwo eine neue Gemeinde entsteht, Treffen Christen sich zum Beten in Privatwohnungen, bis sie aus allen Nähten platzen. Ein bisschen so wie in der Urkirche. Was in solchen Gebetstreffen passiert, verrät der Name: es wird stundenlang gebetet und gesungen. Der Gebetseifer, die Konzentration und die geistliche Ernsthaftigkeit der indischen Christen hat mich nachhaltig beeindruckt. Wenn man im Raum umherblickt, sieht man kaum jemanden, der die Augen nicht geschlossen und die Hände erhoben hätte. Die Gegenwart Gottes empfand ich auf eine starke Weise spürbar in diesen Treffen. Die Einfachheit und schlichte Echtheit ihrer Anbetung trieb mir die Tränen in die Augen.

Diese simplen kleinen Treffen sind der wesentliche Faktor für das Ausbreitung des Christentums unter Hindus. Denn in Indien hat praktisch jeder ein Problem. Die medizinische Versorgung ist schlecht und auch sonst gibt es viele Gründe, besorgt zu sein. Die Menschen suchen in der Regel Zuflucht in der Verehrung eines Gottes. Hilft der eine nicht, geht man zum nächsten. Viele Menschen geben große Geldsummen aus, um für Opfer oder besondere Rituale zu bezahlen, von denen man sich Heil erwartet. Natürlich passiert in der Regel nichts. Der Hauptgrund, warum Hindus der Einladung in eine Hausgemeinde folgen ist, weil sie frustriert sind von den Ergebnissen ihrer religiösen Bemühungen. Sie werden also mitgebracht in ein kleines Haustreffen. Als ich selbst in einem dabei bin, kommen wie von alleine die hinduistischen Nachbarn und wollten Gebet für sich und ihre Kinder. Und das Schöne ist: sehr oft passieren dann eben genau die Wunder! Praktisch jeder Christ, den man fragt, wie er zum Glauben gekommen sei, berichtet von solchen Vorfällen. Gott scheint Wunder ganz besonders gern für Hindus zu wirken, die auf der Suche sind 😉 Ich weiß, dass die Berichte hier unglaublich klingen, doch ich habe von der Auferweckung eines toten Kindes gehört, einem Melonengroßen Tumors am Hals, der innerhalb weniger Tage verschwand und aus erster Hand von einer Frau, die von einer tödlich giftigen Schlange gebissen wurde, doch ohne jeden Schaden blieb. Praktisch in jeden Gottesdienst kommen Hindus, auch immer in den Veranstaltungen, wo ich gesprochen habe. Sie haben alle Erfahrungen mit der übernatürlichen Welt gemacht. Doch es sind allesamt keine lebensfördernden, heilenden Erfahrungen, sondern solche, die langfristig ins Dunkle führen. Und wenn solche Menschen plötzlich der Kraft Gottes begegnen und Wunder erleben, ist die Standardfrage: wer ist dieser Gott und wie verehrt man ihn? Dass er der einzige lebendige Gott ist und nur eine völlige Bekehrung zu ihm in Frage kommt, ist den meisten dann ganz schnell klar. Denn ihnen ist sofort bewusst, was das ganze Alte Testament ständig wiederholt: „Denn der Herr verschafft Recht seinem Volk; er hat mit seinen Knechten Mitleid. Die Götzen der Heiden sind nur Silber und Gold, ein Machwerk von Menschenhand. Sie haben einen Mund und reden nicht, Augen und sehen nicht;“ (Ps 135,14-16).

Entscheidend für die Christen in Indien ist das Wissen um und ein Bewusstsein für die geistliche Realität. Mir scheint, dass im Westen ein Nebel über der Konfrontation zwischen Licht und Dunkel liegt. So als gäbe es eine Grauzone, einen neutralen Bereich. In Wahrheit ist bei uns der Aufeinanderprall der Mächte keineswegs geringer. Doch in Indien scheint all das unmittelbar sichtbarer. Hat ein Mensch sich zu Jesus bekehrt, muss er das gar nicht erzählen, die Menschen in seiner Umgebung spüren an seiner veränderten Ausstrahlung, dass da etwas anders ist. Weil die Menschen ihre spirituellen Sensoren regelmäßig gebrauchen. Und weil Licht immer etwas Auffälliges ist in der Dunkelheit. Eine letzte Geschichte: ein Pastor kam in eine bestimmte Region, wo es noch keine Christen gab. Er war bekannt als ein echter Mann des Gebets. Seine Gemeinde wuchs und das war einem örtlichen Hindu-Priester ein Dorn im Auge. Dieser Priester war ein einflussreicher Guru, der von allen seiner geistlichen Macht wegen gefürchtet wurde. Er beschloss, all seine dämonische Macht einzusetzen, um den Pastor zu vernichten. Eines Tages jedoch kam er zitternd zu dem Pastor und erzählte ihm, er habe alle seine mächtigsten Geister ausgesandt, um in das Haus des Pastors einzudringen. Diese seien jedoch voller Entsetzen und in panischer Auflösung zu ihm zurückgeflohen. Sie hätten berichtet, das ganze Haus sei in entsetzlichen Flammen gestanden und die unerträgliche Hitze hätte gedroht, sie zu versengen, sodass sie in großer Angst wegeilten. Der Götzenpriester musste anerkennen, dass er es mit einem viel Stärkeren zu tun hat und hat sich glaube ich nachher bekehrt. Es war ein Pastor, der als Mann des Gebets bekannt war…

Ich habe Christen in Indien ernsthaft und stundenlang beten gesehen in einer Weise, wie ich das aus Europa nicht kenne. Ob es einen Zusammenhang gibt, dass sie auch Gottes übernatürliches Eingreifen in einem Maße erleben, das hier eher unbekannt ist? Ich meine: selbstverständlich. Es gibt die geistliche Welt! Und sie hat Einfluss auf Menschen. Ein Bekenntnis zu Jesus und ein glaubensvolles Gebet sind geistlich wie ein heller Blitz in dunkler Nacht. Und das gilt für Europa nicht weniger als für Indien.