Jesus auf Arabisch

Jesus auf Arabisch

In einem Raum mit jungen Kerlen aus Syrien. Ganzen Familien aus Afghanistan. Dem Typen wie ein Bulldog, ehemaliger Söldner in der Fremdenlegion, bis ihm der Horror des Irakkriegs die Freude am Islam und die am Soldatensein verdarb. Man spricht hier Urdu, Farsi und natürlich Arabisch. Viele auch ein wenig Deutsch. Was all diese Menschen verbindet? Sie alle interessieren sich für Jesus. Ja, Sie haben richtig gelesen. Ich befinde mich in einer deutschen Großstadt. Sozialer Brennpunkt würde das Viertel wohl ganz gut beschreiben. Gegenüber eine Flüchtlingsunterkunft, die Nachbarschaft besteht aus Lagerhallen, Spielcasinos, Supermärkten und Bordellen. Heute erlebe ich einen Abend von „Elijah 21“ live mit. Es ist ein Dienst, den Freunde von mir gegründet haben, um interessierten Flüchtlingen den christlichen Glauben vorzustellen. Was ich bislang nur aus Erzählungen kannte, erlebe ich heute live. Fast drei Reisebusse voll Menschen sind den mündlichen Einladungen in Flüchtlingswohnheimen gefolgt. Schriftlich ist hier gar nichts, das wäre zu gefährlich. Einer der jungen Männer ist der Bruder der afghanischen Christin, die vor kurzem in Prien am Chiemsee ermordet worden war, weil sie an Jesus glaubte. Bekennt ein Flüchtling sich zu Jesus, ist er oft nicht mehr sicher hier in Deutschland. So wie man das aus dem Nahen Osten kennt. Mit dem einen Unterschied. Hier ist das leicht möglich, was dem Interessierten in der Heimat nur unter extremsten Gefahren möglich wäre: etwas über Jesus zu erfahren. Es ist dann leicht möglich, wenn es Christen gibt, die ihnen etwas erzählen. Doch wichtiger als das Erzählen ist die schlichte Liebe. Das erste, was die knapp 100 Besucher erwartet, sind die strahlenden Gesichter, die freundlichen Begrüßungen und das gute Essen, mit denen die ehrenamtlichen Mitarbeiter von Elijah 21 ohne große Worte zeigen, wie christliche Gastfreundschaft aussieht. Ich blicke in zögerliche Augen verhüllter Frauen, die schließlich zu Lächeln beginnen. In das völlig entstellte Antlitz eines jungen Mädchens, dem das halbe Gesicht zu fehlen scheint. In die zerfurchten Züge eines alten Mannes aus Aleppo, der beinahe irritiert wirkt über all die Herzlichkeit, die ihm hier entgegen strömt. Überall entspinnen sich freundliche Gespräche, soweit es halt von der Sprache her geht. Nach dem Essen wird ein Film über das Leben Jesu gezeigt. Ich sitze in der arabischen Gruppe. Die Szene lässt sich kaum beschreiben. Streng muslimische Frauen in ihren traditionellen Gewändern in der Reihe vor mir. Neben mir Mohammed aus Damaskus. Und gemeinsam hören wir uns die Bergpredigt an. Auf Arabisch. Ich verstehe nur Bruchstücke. Die Aufmerksamkeit, ja die Ehrfurcht der Zuhörer beeindruckt mich. Vorher hatte der Gastgeber, Pastor einer kleinen Freikirche, angesagt, dass dies ein Haus Gottes sei und man deshalb vom Gebrauch von Mobiltelefonen absehen möge. Auch das hat natürlich ebenso mit der Sicherheit zu tun wie ein Team von Türstehern. Immer wieder kommen ganze Gruppen junger Männer und Kinder aus dem benachbarten Asylheim, die wissen wollen, was hier passiert. Die Handyregel wird mit ebenso großer Selbstverständlichkeit akzeptiert wie die Tatsache, dass es hier den ganzen Abend um Jesus geht. Religion ist für Muslime ein extrem wichtiges Thema und es ist das Normalste von der Welt, dass einer erzählt, woran er glaubt, in welche Moschee er geht, wie er betet. Ebenso offen und interessiert wird hier zugehört, wenn der Jesus im Jesusfilm auf Urdu oder Farsi vom Vater im Himmel spricht. Die meisten hier hören all das zum ersten Mal, sehen zum ersten Mal Jesus am Kreuz und hören von seiner Auferstehung. Tiefe Betroffenheit überall. Danach berichten junge Männer, die Christen geworden sind. Auch für Jesus entschieden hat sich der Söldner aus der Fremdenlegion. Der Koran hätte ihm keine Antworten mehr gegeben. Jetzt habe er seinen Weg gefunden und seine Augen strahlen vor Freude. Seit wann er denn schon Christ sei, frage ich den Muskelprotz. Seit Ende Juni, sagt er ganz stolz zu mir und Machmut, der streng gläubiger Muslim ist und auf die Einladung von Elijah 21 erst richtig feindselig reagierte. Doch auch der ist jetzt friedlich und offen.  Tatsächlich ist eine der ungewöhnlichsten Erfahrungen hier die, wie selbstverständlich es für Menschen aus dem Nahen Osten ist, über Religion zu sprechen. Der Einladung von Christen, in lockerer Runde etwas über Jesus erfahren zu können, waren fast 100 Personen gefolgt. Mitunter hört man den Vorwurf, christliche Verkündiger würden die schwierige Lage der Flüchtlinge für Missionierung ausnützen. Ein Vorwurf, der komplett an der Sache vorbeigeht. Etwas über das Christentum zu erfahren, ist keine Zumutung, sondern Bedürfnis und Wunsch vieler Muslime. Und nicht wenige sind von ihrer eigenen Religion desillusioniert und kommen mit tiefen Fragen. Eine der Fragen lautet auch: weshalb sind es gerade die christlichen Länder, die uns helfen und nicht die anderen reichen islamischen? Am Ende des Abends gibt es die Möglichkeit, eine Bibel in der eigenen Sprache sowie andere christliche Literatur zu erhalten. Die Büchertische werden regelrecht leer geräumt, viele hinterlassen ihre Handynummern um in Kontakt zu bleiben. Ähnliche Szenen spielen sich momentan in ganz Deutschland überall dort ab, wo christliche Gemeinden offene Abende für Flüchtlinge oder Glaubenskurse auf Farsi oder Arabisch anbieten. Staunenswert, was hier passiert. Ich bin mit einigen Flüchtlingen auch auf die soziale Situation zu sprechen gekommen, auf die Gründe ihrer Flucht und die Angehörigen zu Hause. All das hat mich in meiner schon vor zwei Jahren geäußerten Meinung bestärkt, dass die deutsche Flüchtlingspolitik verfehlt und mit vielen negativen Folgen für die Flüchtlinge selbst verbunden ist. Trotz dieser meiner Meinung nach politisch höchst problematischen Lage scheint Gott die Situation auf bemerkenswerte Weise zu benutzen. Fakt ist, dass es momentan in Deutschland offene Türen für die Verkündigung des Evangeliums an Volksgruppen gibt, die noch vor kurzem kaum eine Chance hatten, von Jesus zu hören. Ich kenne wenige Dienste, die ich für momentan so relevant halte wie „Elijah 21“ und ich träume von einer Verzehnfachung der beteiligten Mitarbeiter und sonstiger Ressourcen. Wir leben in bemerkenswerten Zeiten. Ich bin bewegt und dankbar von dem Ort nach Hause gefahren, wo ich einmal mit Hundert Muslimen einen ganzen Abend von Jesus erfahren durfte.

www.elijah21.org