Miteinander reden, statt übereinander

Miteinander reden, statt übereinander

Fernab der Augen der 12.000 Teilnehmer fand auf der MEHR etwas Ungewöhnliches statt, von dem ich kurz berichten möchte. Als 2018 auf der MEHR MissionManifest veröffentlicht und das Buch sogar zum Spiegel-Bestseller wurde, gab es von theologischer Seite her auch viel Kritik. Unter dem Titel „Einfach nur Jesus?“ erschien bei Herder ein Sammelband kritischer Aufsätze von Theologen, ebenso in Fachzeitschriften. In seinem Aufsatz formulierte einer der Herausgeber, es glaube erst wieder an Wunder, wenn die Thesen dieses Buchs auch auf der MEHR diskutiert würden. Mit einem Augenzwinkern nahmen wir diese Gelegenheit zur Wiedergewinnung des Wunderglaubens an und luden ihn selbst auf die MEHR ein. Denn leider verbindet die größte Zahl der Kritiker die Tatsache, dass sie noch nie auf der Konferenz oder im Gebetshaus waren. Am Samstag Nachmittag gab es auf der MEHR diesmal ja das (überfüllte) theologische Forum in Zusammenarbeit mit dem „Institut für Ökumenische Forschungen“ der Universität Fribourg (siehe Bilder). Am Sonntag jedoch eine Disputatio, für die wir Professoren und Dozenten der akademischen Theologie einluden – und alle uns bekannten Universitätsheologen, die bisher etwas Kritisches über die MEHR geschrieben haben. Das Ziel war, in einem geschützten Rahmen Raum für kritische Rückfragen zu geben. Eingeladen war außer den Theologen nur theologische Fachpresse. Insgesamt kamen etwa 40 katholische und evangelische Professoren und Universitätsdozenten. In etwas über 2 Stunden hatten die Kritiker die Möglichkeit, ihre Anfragen und Beobachtungen zu formulieren. Andere Theologen und auch Vertreter verschiedener Bewegungen (so wie ich) konnten dann darauf antworten. Das Klima dieser Disputatio war sehr respektvoll, die Beiträge hatten ein hohes Niveau, auch wenn die Meinungen natürlich auseinandergingen. Alle Beteiligten waren sich einig, dass es ein guter und wichtiger Auftakt eines lohnenden Diskurses war: eben miteinander, statt nur übereinander zu reden. Aufbrüche brauchen Theologie, aber auch die Theologie braucht Aufbruch. Manche Anfragen blieben, manche kritische Stimme musste aber auch zugeben, positiv überrascht worden zu sein. Ich selbst fand diese lange, intensive Diskussion am vorletzten Tag einer doch recht großen Konferenz, die ich zu leiten hatte, durchaus etwas anstrengend, aber auch wichtig. SE Kurt Kardinal Koch als Vertreter des Vatikans und Prof. Roland Werner sprachen abschließende Grußworte. So blieb als einziger Wermutstropfen die Tatsache, dass die meisten der prominenteren Stimmen, die negativ über MEHR und Gebetshaus geschrieben hatten, der Einladung nicht gefolgt sind. Es war trotzdem sehr gut. Jesus sagt, dass man seine Feinde lieben soll. Theologisch Andersdenkende sind natürlich keine Feinde, sondern wichtige Gesprächspartner. Aber irgendwo muss das ja beginnen, das mit dem Dialog.